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DACHVERBAND  DER  BEGINEN  e.V.

WAS SIND BEGINEN?

Beginen(hof)-Impressionen, Design: Heike Assmann, Fotos: Ulrike Janz, Irmtraud Ruder

900 Jahre Geschichte der Beginen in Europa haben Frauen unserer Zeit ermutigt und bestärkt, eigenständige Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsformen autonom zu entwickeln. Die Beginen waren selbstständige Frauen, die seit dem Mittelalter in großen oder kleinen Zusammenschlüssen, in Beginenkonventen oder Beginenhöfen, lebten. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten sie durch Stiftungen, das Einbringen ihrer jeweiligen Besitztümer, ihrer erlernten Fähigkeiten und durch ihre Arbeit.

Wir ehren mit dem Namen "Dachverband der Beginen" die historischen Beginen. Wir heutigen Beginen fühlen uns der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen, der Gewaltfreiheit, dem schonenden Umgang mit der Natur und den Ressourcen unseres Planeten verpflichtet. Wir unterstützen uns gegenseitig und nutzen unsere Unterschiedlichkeit für unsere individuelle Weiterentwicklung und die der Gemeinschaft (affidamento).

Wir setzen uns ein für innovative Wohn-, Arbeits-, Wirtschafts- und Lebensformen. Wir sehen unser Zusammenwohnen, -leben und -arbeiten in Beginenprojekten (Höfen), Initiativen und als einzelne Frauen unter modernen Bedingungen als einen unabgeschlossenen Prozess, der der politischen Frauenemanzipation eine neue Dimension hinzufügt.

WAS WAREN BEGINEN?

Die Beginen waren in der neueren Geschichtsschreibung in Vergessenheit geraten. Nach Aussagen von Historikerinnen entstand die "Bewegung" schon im 12. Jahrhundert. Die Beginen waren in ganz Europa verbreitet, allein in Deutschland gibt es noch in über 600 Städten Archiv-Materialien über Beginen.

Die Anfänge des Beginentums lagen in den Niederlanden, (die damals noch nicht getrennt waren in Belgien, Niederrhein und den heutigen Niederlanden), wo Frauen sich zusammenschlossen, um außerhalb von Klostermauern ein geistliches und tätiges Leben zu gestalten. In der Literatur wird immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Bewegung an vielen Orten spontan auftrat. Sie wurde von keiner kirchlichen oder weltlichen Institution gesteuert.

Im Gegensatz zu Nonnen legten Beginen ein "Versprechen" und kein Gelübde ab. Sie lebten in Konventen und Beginenhöfen, wählten eine "Meisterin" und gaben sich eigene Regeln. Beginen waren überwiegend wirtschaftlich unabhängig. Sie arbeiteten u. a. als Handwerkerinnen, Künstlerinnen und Kauffrauen und in allen Heil- und Lehrberufen. Sie teilten das gemeinsam erwirtschaftete Vermögen, behielten aber ihr privates Vermögen. Sie widmeten sich z. T. der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in den damals entstehenden Städten. Ihre stärkste Verbreitung erlebte die Bewegung bis ins 15. Jahrhundert.

Entscheidend für den Niedergang der Beginen wurde ihre Art zu leben, wodurch sie in das Spannungsfeld anderer rivalisierender Mächte und Gruppen gerieten. Kirche, Ratsherren und Zünfte trugen ihre Konflikte auf dem Rücken der Beginen aus. Überlebt haben in Flandern die Höfe, die nach den Religionskriegen unter spanischer katholischer Herrschaft eine Gegenreformation erlebten. Aber auch anderorts gab es noch lange Beginen, so starb die letzte im katholischen Essen erst 1884, die letzte im katholischen Bremen gar erst 1997!

1998 hat die UNESCO 13 Beginenhöfe in Flandern zum Weltkulturerbe erhoben. Beginen wohnen dort z. Zt. nicht mehr, diese Höfe sind aber weltweit ein Vorbild voller Atmosphäre für Frauenwohnen und -leben aus 750 bis 800 Jahren.

WAS WOLLEN BEGINEN?

Die neue Beginenbewegung in Deutschland entwickelte sich seit 1985 in verschiedenen Städten, ohne dass die Frauen voneinander wussten. Feministinnen, Historikerinnen und Theologinnen entdeckten und erforschten das Leben der historischen Beginen. Es entstanden erste Beginenvereine, die später die ersten Frauenwohnprojekte als "Beginenhöfe" initiierten.

Ziel ist es, zur Humanisierung unserer Gesellschaft beizutragen und gemeinschaftliche generationsübergreifende Lebensformen zu entwickeln, die den alltäglichen und spirituellen Bedürfnissen von Frauen entsprechen. Charakteristisch für die Bewegung ist ihre Vielfalt.





zuletzt aktualisiert: März 2012

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